Ich bin vor ein paar Tagen auf einen Blog von einem Schüler gestossen, der seit fast einem Monat in Arizona sein High-School-Year macht. Ich hab mir ein paar Artikel durchgelesen und den Blog wieder weggeklickt, aber irgendwie ist mir ein Beitrag doch in Erinnerung geblieben.
Der Blogger beschreibt kurz vor seiner Ausreise das viel gefürchtete letzte Mal (ja, letzte Mal), das eigentlich jeder kennt, der schon mal so etwas wie einen längeren Austausch gemacht hat. Das letzte Mal auf dem Sportplatz kicken. Das letzte Mal mit Freunden auf der Dobbenwiese sitzen und Wein trinken. Das letzte Mal mit dem eigenen Kater spielen (selbst, wenn der zur Zeit richtig bockig ist). Das letzte Mal mit den Eltern darüber streiten, ob man wirklich den Koffer nchmal hochholen und durchchecken muss. Das letzte Mal von den Eltern gerettet werden, die einem in letzter Sekunde einen neuen Koffer besorgen. Das letzte Mal das Auto vor der Cäci abstellen.
Natürlich ist der Begriff “Das letzte Mal” vollkommen irreführend.
Immerhin kommt man ja schon in einem Jahr wieder und kann das dann alles wieder haben.
Theoretisch. Denn man weiß ja nicht, wie es sich nach dem Jahr anfühlt, die gleichen Dinge zu tun. Außerdem kommt einem ein Jahr, wenn es denn so vor einem liegt, wie ein Berg vor. Und wie wird man sich dann in der 12. überhaupt mit den Freunden verstehen? Mit den Eltern?
Außerdem liegt die Situation bei uns FSJlern ja sogar noch etwas härter. Wenn man wiederkommt, beginnt ja zumeist gleich das Studium, und die ganzen Freunde sind eh auf der Landkarte verteilt.
Aber ich schweife ab. Dieser Junge wurde also von einem Exaustauschschüler (also jemandem wie mir) aufgeklärt, dass es jedem so gehe wie ihm und er vor dem Jahr keine Sorgen haben müsse. Und ich kann ihm nur beipflichten. Auch schwierige Situationen können einem -im Nachhinein- unglaublich viel geben und wenn man nur bereit ist, jeder Situation etwas positives abzugewinnen, wird das Jahr zu 98% ein Erfolg. Nicht zu vergessen sind auch die vom Blogger selbst beschriebenen ERSTEN Male – das erste Mal im Neuland Zähneputzen, mit den zu betreuenden Kindern spielen, auf Spanisch Obst kaufen. Oder mit den Worten des anderen ausgedrückt: “sobald Du mit den Koffern unterm Arm vor Deiner neuen Heimat stehst, werden so viele neue Eindrücke und neue – und wie ich hoffe: nette – Leute auf Dich “hereinstürzen”, dass das Verarbeiten dieser Eindrücke das anfängliche Heimweh und Vermissen der “alten Heimat” zwar nicht abstellen oder ersticken kann, aber zumindest diese (viel-)leicht melancholische Stimme im Hinterkopf in den Hintergrund drängt.”
Na super. Jetzt kann ich mich selbst therapieren.
P.S.: Das mit dem Koffer ist fiktiv. Ich hab mir aber fest vorgenommen, meinen Koffer gleich durchzuchecken.


1 Kommentar
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August 30, 2007 um 8:58 pm
david5
Wow, ich fuehle mich geehrt!
Danke, fuer deinen Eintrag.
Ich freue mich, dass dir mein Artikel gefallen hat.