Ein Kind schlendert an einem dominikanischen Strand entlang. Badeshorts, Flip-Flops, weißes T-Shirt. Es sind viele Menschen am Strand, manche baden, manchen flirten, andere sitzen. Das Kind beachtet sie aber nicht besonders, nur ab und an wirft es einen Blick auf vorbeiziehende Passanten. Manchmal wirft es einen Stock ins Wasser, dann lässt es sich plötzlich in den warmen Sand fallen, ab und an fängt es an zu rennen. Es spaziert durch seinen Ort, kauft sich eine Mango und ist die folgende Stunde damit beschäftigt, sich die Fäden aus den Zähnen zu ziehen. Dann kommt der, wie sagt man noch so schön, große weiße Vogel.
Ein kurzes Lebenszeichen aus der Dominikanischen Republik: Zwar sind im Land große Schäden angerichtet worden, noch mehr Menschen obdachlos und einige gestorben, uns geht es bis jetzt aber immer noch gut. Mittwoch wollen wir mit unserer Chefin versuchen, der Bevölkerung eines betroffenen Dorfes zu helfen.
Einer der Jungs, die uns öfter in unserer Wohnung besuchen, ist Jose Miguel. Jose Miguel (8) spricht nicht viel, was in der Dominikanischen Republik schon sehr auffällt, denn wenn die Dominicanos eines können, dann ist es viel reden. Ich an Jose Miguels Stelle würde aber im Moment auch nicht viel reden.
Jose Miguels Vater ist ein “Cristiano”, lebt also besonders streng religiös, und hat als solcher nicht sehr viel mit Drogen zu tun. Die Schwester seiner Frau hingegen hat einem Drogenbaron viel Kokain geklaut und sich abgesetzt. Diese haben Jose Miguels Vater dann ein Ultimatum gesetzt: In einer Stunde würden sie das Kokain bekommen – oder die Familie würde es bitter bereuen. Den Rest des Beitrags lesen »
Tja, so schnell komm ich aus den ersten Malen nicht raus. Vor ein paar Tagen musste ich schnell ins Auto springen, da Manu und Jose ja Dengue hatten und zum Arzt mussten. Dementsprechend hatte ich auch weder den normalen noch den internationalen Führerschein dabei. Vom Arzt aus musste ich dann schnell nach Hause fahren, um mit Pablo abzuklären, in welches Krankenhaus die beiden kommen. Prompt wurde ich dann natürlich von einem Polizisten angehalten, der mich etwas skeptisch nach meinem Führerschein fragte. Den Rest des Beitrags lesen »

Wie bereits über die Liste geschrieben, bin ich gut in der Dominikanischen Republik angekommen. Ich werde den Listenbeitrag hier noch posten.
Hier wollte ich nur die oben gesehene Nachricht von Anderson, einem Jungen aus dem Fußballprojekt (links), wiedergeben. Übersetzt wollte er wahrscheinlich schreiben (das habe ich aber auch nur durch seine Erklärung rausbekommen): Ich will, dass Manuel „Manuel genios“ heißt, weil ich ihn mag.
Hintergrund: Es ist sehr verwirrend für die Kleinen, dass wir im Moment mit drei Manuels im Projekt sind. Der alte Freiwillige ist deshalb Manuel viejo, der zweite Manuel fuerte („stark“), und ich war Manuel Nino (der Junge / das Kind). Hat mir verständlicherweise nicht so wahnsinnig gefallen, deswegen hab ich um nen anderen Spitznamen gebeten.
Genie gefällt mir eigentlich ganz gut.
Ich bin vor ein paar Tagen auf einen Blog von einem Schüler gestossen, der seit fast einem Monat in Arizona sein High-School-Year macht. Ich hab mir ein paar Artikel durchgelesen und den Blog wieder weggeklickt, aber irgendwie ist mir ein Beitrag doch in Erinnerung geblieben.
Der Blogger beschreibt kurz vor seiner Ausreise das viel gefürchtete letzte Mal (ja, letzte Mal), das eigentlich jeder kennt, der schon mal so etwas wie einen längeren Austausch gemacht hat. Das letzte Mal auf dem Sportplatz kicken. Das letzte Mal mit Freunden auf der Dobbenwiese sitzen und Wein trinken. Das letzte Mal mit dem eigenen Kater spielen (selbst, wenn der zur Zeit richtig bockig ist). Das letzte Mal mit den Eltern darüber streiten, ob man wirklich den Koffer nchmal hochholen und durchchecken muss. Das letzte Mal von den Eltern gerettet werden, die einem in letzter Sekunde einen neuen Koffer besorgen. Das letzte Mal das Auto vor der Cäci abstellen.
Natürlich ist der Begriff „Das letzte Mal“ vollkommen irreführend. Den Rest des Beitrags lesen »
Das erste (und wahrscheinlich spektakulärste) Ereignis des Vorbereitungsseminars, über das ich hier erzählen möchte, ist das Bananenspiel.

Lisa und ich wurden relativ zu Anfang des Vorbereitungsseminars 40 km entfernt von Darmstand aufm Land ausgesetzt – mit nichts als zwei Bananen und einer Packung Spaghetti. Wir wurden angehalten, die Bananen in etwas Brauchbares zu tauschen, 5 Euro Spenden für den Solidaritätstopf zu sammeln, eine gute Tat zu vollbringen und mit jemandem die Spaghetti zu essen. Uns wude noch schnell Ärger angedroht, falls wir nicht rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit zurück in Heppenheim ankämen, und dann waren wir schon allein. Nachdem wir uns an einem Brombeerstrauch gesättigt hatten, guckten wir uns um und entdeckten einen Bauernhof nicht weit von uns. Dort klopften wir an, aber es meldete sich niemand. Wir gingen zum Feld und entdeckten die Bäuerin und den Bauern bei der Kartoffelernte. Kurz entschlossen hüpften wir auf den Traktor und halfen bei der Ernte, indem wir die faulen und schmutzigen Kartoffeln aussortierten. Nebenbei kamen wir mit der Bäuerin ins Gespräch, die wirklich nett war und dank Lisas Chorkarriere sogar sofort einen Anknüpfungspunkt zu uns hatte. Sie spendete uns später sogar jedem 10 Euro, obwohl das doch eigentlich unsere gute Tat hätte sein sollen. Insgesamt schien es sehr schwer, eine gute Tat zu vollbringen, dem standen die Leute eher skeptisch gegenüber.
Wir gingen noch eine ganze Weile übers Land, und obwohl wir sicher nirgends mehr so warmherzig behandelt wurden wie auf unserem ersten Bauernhof, so beschäftigte mich doch die Frage, ob es vielleicht so etwas wie ein Nord-Süd-Gefälle in Deutschland gibt. Ich bin ja nun Nordlicht aus Überzeugung, aber das Spendensammeln in Süddeutschland fällt mir doch sehr viel leichter. Die Norddeutschen reagierten immer mit deutlich mehr Distanz und weniger Interesse auf unser Projekt.
Eine zweite sehr teilenswerte Episode erlebten wir dann in Darmstadt. Wir hatten immer noch niemanden gefunden, der mit uns die Spaghetti essen wollte. Als wir am Theater vorbeiliefen, lungerte dort eine Gruppe von pubertierenden, ja, Jugendlichen ? Kindern? Lisa stürmte zielgerichtet auf die Jugendlichen zu und fragte, ob sie denn Interesse hätten, eine Packung Spaghetti mit uns zu teilen. Eines der Mädchen zögerte nicht lange und teilte mit, dass sie noch eine Herdplatte im Keller habe. So befanden wir uns dann mit 7, 8 Halbstarken in einem Darmstadter Keller wieder. Die folgenden Gespräche ließen uns dann aber mehr als baff zurück. Alle der Versammelten gingen zur Hauptschule, und alle von ihnen hatten keinen Bock, obwohl sie ganz offensichtlich sehr aufgeschlossene, interessierte Jugendliche waren. Einer von
ihnen hatte einen Abschlussdurchschnitt von 1,1 und erwägt nun halbherzig, noch auf der Realschule weiterzugehen. Einig waren sie sich aber alle, dass Ferien die geilste Zeit sind, weil man da Leute verarschen könne. Die Schulzeit könne aber auch spaßig sein, gerade letztens wären sie auf 5, 6 Schultischen nacheinander so herumgesprungen, dass sie diese Behandlung nicht überlebten. Die Jungs waren sowieso ganz harte Kerle, ständig machten sie halsbrecherische Stunts mit ihren City-Rollern und fielen auf den Kopf oder ähnliche sensible Körperteile, so dass ich während der anderthalb Stunden öfters prüfte, ob ich noch Empfang auf dem Handy habe. Wir kamen uns ein wenig wie in einem Paralleluniversum vor. Ein Junge und ein Mädchen waren einige Zeit außerhalb des Kellers, als sie zurückkamen, war der Junge ein wenig angeschlagen. Wie Lisa aus Gesprächen mitbekommen hat, hat das Mädchen den Jungen wohl geküsst, dieser wollte das aber gar nicht und hat angefangen zu weinen.
So langsam beginne ich, die Menschen zu verstehen, die sauer auf mich sind, weil ich meinen Zivildienst nicht in Deutschland mache.
…
Wir kamen dann gegen halb 6 glücklich und mit einer Mormonenbibel, 2 Sherlock Holmes Büchern, fair gehandeltem Kaffee, einem Kamasutrakartenspiel und 24 Euro in Heppenheim an.
Am Sonntag ging das zweiwöchige Vorbereitungsseminar auf unser Freiwilliges Soziales Jahr im Ausland zu Ende. Ich werde hier nicht versuchen, es genau zu beschreiben, weil ich den zwei Wochen damit wahrscheinlich sowieso nicht gerecht werden könnte. Es gab so viel zu erfahren, von Clowns, Zaubereren, Pädagogen, Psychologen und Journalisten, von Weitgereisten und Erfahrenen, von Professoren und ehemaligen Freiwilligen, aber auch so viel über sich selbst zu bedenken. Was ich aber durchaus tun kann, ist versuchen, einzelne Erlebnisse zu beschreiben, um zu vermitteln, warum mir die letzten zwei Wochen so viel gebracht haben. Das will ich über die nächsten Tage tun.
